(ich habe den folgenden Text für unser Vereins-Organ QUB geschrieben, wo es im November 2013 publiziert wurde)

OM Norbert Graupner, DL1SNG hat ein geniales Impedanz-Messgerät entwickelt, das als Bausatz bei Funkamateur-Online-Shop bestellt werden kann. Die Version 3 ist aus den Erfahrungen mit den Vorläufer-Versionen entstanden; alle Versionen wurden in den zurückliegenden Jahren im Funkamateur beschrieben.

Wenn dann der Bausatz hierzulande auf dem Werkstatt-Tisch steht, ist man zwar um rund Fr. 500.-- ärmer, aber dafür tut sich eine (für mich jedenfalls) neue Welt auf: Das Arbeiten mit einem vektoriellen, wobbelnden Netzwerk-Analysator für den Frequenz-Bereich von 50 kHz bis 160 MHz.

Ich beschreibe meine Erfahrungen beim Aufbau des Gerätes, die Optionen und erste Mess-Resultate.

OM Norbert hat an der HamRadio 2012 das Gerät im Detail vorgestellt und man kann / sollte seinen sehr lesenswerten, sorgfältig dokumentierten Vortrag hier als PDF herunterladen:

http://www.box73.de/download/sonstiges/Script_HAM-Radio_DL1SNG.pdf

Man kann das Gerät als reinen Antennen-Analysator aufbauen, oder aber auch durch Verwendung eines optionalen Vierpol-Moduls Durchlasskurven und Phasengänge von Filtern und Verstärkern messen lassen.

Der Konstrukteur hatte sich ursprünglich gedacht, dass man beide Module besitzt und dann je nach Bedarf das Gerät umbaut – was allerdings jeweils eine ziemliche Fummelei wäre. Nun wurde ein Kombi-Modul konstruiert, das die Funktionen der beiden anderen Module umfasst und per Software umgeschaltet werden kann – dieses Kombi-Modul habe ich dann auch gekauft. Somit muss man das Gerät nie mehr aufschrauben (hi).

Die Verbindung zum PC geht über USB; wenn man möchte, kann man auch noch ein Bluetooth-Modul kaufen und damit dem PC die Informationen zu-beamen, was vor allem interessant sein dürfte, wenn man das Gerät im Freien einsetzt, denn USB-Kabel brauchen nach etwa 5 m einen Repeater, während Norbert mit Bluetooth über 300 m weit messen konnte.

Das Gerät ist aber autonom, es hat einen eigenen Display 320x239 Pixel (ca. 11.5 x 9 cm). Die Vorteile beim PC liegen vor allem beim Ausdruck und der Speicherung.

Der Zusammenbau war (für mich) nicht so einfach, obwohl die SMD-Elemente schon professionell montiert sind. Aber es sind längere Stift-Leisten zu löten, die zudem in der unmittelbaren Nähe der Taster, mit denen man das Gerät dann nachher bedient (und man will ja nicht jedesmal auf einen eventuell angeschmelzten Taster gucken müssen). Die Baumappe ist sehr sorgfältig angelegt und enthält viele Bilder. Die Inbetriebnahme ist ebenfalls gut beschrieben. 5 (zu Beginn offene) Lötbrücken erlauben die stufenweise Inbetriebnahme.

Das Gerät arbeitet mit Li-Ion-Akkus, die im Interesse einer grossen Effizienz ohne Schutzschaltung sind – es darf also nie zu einem Kurzschluss kommen ! Eine umfangreiche Ladeschaltung (12V mit ca. 1 A Ladestrom) hält die Akkus im Schuss – anschliessend muss das Ladegerät entfernt werden. Der Akku-Ladezustand wird über eine mehrfarbige LED angezeigt und bei USB-Betrieb auch auf dem Bildschirm dargestellt.

Das Arbeiten mit dem Gerät ist sehr interessant. Man bedient es über die weissen Tasten und muss sich zuerst daran gewöhnen, auch daran, dass es etwa eine Auswertung pro Sekunde gibt – es hat also keinen Sinn, wie wild an der zu messenden Schaltung herumzudrehen. Auf den Bildern habe ich versucht, die MLA-Loop-Antenne auf dem 80m Band auszumessen. Über den USB-Anschluss habe ich dann die Darstellungen auf dem PC dargestellt und als Bilder gespeichert:

(Die Bilder sind zwar alle nacheinander entstanden, aber durch die hohe Empfindlichkeit der Antenne gegenüber Hand-Kapazitäten sind die Werte nicht absolut identisch)

Dann habe ich – um das Kombi-Modul zu testen – einen 40 MHz-Tiefpass, den ich mir mal gebastelt hatte, zu testen. Das sieht nicht so aus, wie ich es erwartet hätte – mal schauen, wie ich das dann sauber hinbekomme.

Ich hoffe, dass mein Bericht das Gerät dem einen oder anderen Leser näher gebracht hat. Das Arbeiten mit dem Gerät hat mich (noch) nicht zu einem HF-Profi gemacht, aber man ahnt doch die Zusammenhänge – die unser schönes Hobby funktionieren lassen.

Als Literatur zu dieser Art von Messungen wird immer wieder mal auf die Bücher von Joachim Müller verwiesen:

Beide sind im beam-Verlag erschienen und beim Funkamateur-Verlag zu bestellen.